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Drei Kreise stark unterschiedlicher Größe, flächenproportional zur Teilnehmerzahl der jeweiligen Studienlage — der größte in Gold

Kollagen, NMN und Resveratrol: Was die Studienlage hergibt

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Substanzen, drei sehr unterschiedliche Belegqualitäten — und in keinem Fall die, die die Werbung nahelegt.
  • NMN: Acht Studien mit zusammen 342 Personen fanden keinen Nutzen auf Blutzucker, Insulin, Langzeitzucker oder Blutfette [1].
  • Resveratrol: Eine Übersicht des Forschungsnetzwerks Cochrane fand ganze drei Studien mit 50 Teilnehmenden — zu wenig, um Wirkung oder Sicherheit überhaupt zu bewerten [2].
  • Kollagen hat von den dreien die beste Datenlage — allerdings für das Hautbild, nicht für die Lebenszeit [3].

50

Teilnehmende insgesamt in allen Studien, die eine Cochrane-Übersicht zu Resveratrol überhaupt finden konnte.

Cochrane Database 2020 · drei Studien, vier bis fünf Wochen Dauer

Kollagen für die Haut, NMN (Nicotinamid-Mononukleotid) für die Zellenergie, Resveratrol für die Langlebigkeit — drei Substanzen, die in kaum einem Longevity-Regal fehlen. Sie eignen sich gut für einen Vergleich, weil sie drei verschiedene Zustände der Beweislage zeigen: eine ordentliche, eine enttäuschende und eine, die diesen Namen kaum verdient.

Kollagen: die beste Datenlage der drei — für die Haut

Eine Auswertung von 19 kontrollierten Studien mit 1.341 Teilnehmenden — Untersuchungen mit einer Vergleichsgruppe, die das Mittel nicht bekam — untersuchte Peptide gegen Hautalterung. Peptide sind kurze Eiweißbruchstücke; dazu zählen auch die Kollagenpeptide. Ergebnis: Oral eingenommene Peptide verbesserten Feuchtigkeit und Ebenmäßigkeit der Haut deutlich, auf die Faltentiefe wirkten sie moderat. Bei Elastizität und Hautdichte waren die Ergebnisse uneinheitlich. Nebenwirkungen traten kaum auf [3].

Das ist für ein Nahrungsergänzungsmittel eine respektable Bilanz — mit zwei Einschränkungen. Erstens rufen die Autoren selbst nach größeren Studien mit einheitlichen Messverfahren; die verwendeten Skalen für „Faltentiefe“ unterscheiden sich zwischen den Studien erheblich.

Zweitens, und wichtiger: Es geht um das Hautbild, nicht um Langlebigkeit. Kollagen wird im Longevity-Umfeld gern so verkauft, als ginge es um Gelenke, Knochen und Bindegewebe insgesamt. Die belastbaren Daten betreffen die Haut.

NMN: viel Theorie, wenig Ergebnis

Die Begründung hinter NMN ist plausibel und deshalb überzeugend: NAD+ (Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid) ist ein Molekül, das in jeder Zelle für Energiegewinnung und Reparatur gebraucht wird, und sein Spiegel sinkt mit dem Alter. NMN ist eine Vorstufe davon. Wer den Nachschub erhöht, so die Idee, hebt den NAD+-Spiegel und damit die Zellfunktion.

Geprüft wurde das an Menschen bislang so: acht kontrollierte Studien, 342 Teilnehmende mittleren und höheren Alters, Dosierungen von 250 bis 2.000 mg täglich, Dauer zwischen 14 Tagen und 12 Wochen. Die zusammenfassende Auswertung fand keinen signifikanten Nutzen — „signifikant“ heißt hier: groß genug, um nicht als Zufall durchzugehen — weder auf Nüchternblutzucker noch auf Nüchterninsulin, Langzeitzucker, Insulinresistenz oder Blutfette [1].

Fair bleiben heißt hier: Kein Effekt auf Stoffwechselwerte ist nicht dasselbe wie „wirkt nicht“. Die Studien waren klein und kurz, und sie maßen nicht alles, was interessant wäre. Aber genau das ist der Punkt — die beworbenen Wirkungen sind bislang nicht gezeigt, und wer heute kauft, kauft eine Hypothese. Wie es speziell beim Versprechen gegen Müdigkeit aussieht, haben wir gesondert geprüft.

Resveratrol: die dünnste Grundlage

Resveratrol kam über eine schöne Geschichte in die Welt: der Stoff aus Rotwein, der Sirtuine aktiviert — Enzyme, die an der Steuerung von Stoffwechsel und Zellalterung beteiligt sind — und in Hefe und Mäusen die Lebensspanne verlängert. Zwei Jahrzehnte später lässt sich prüfen, was beim Menschen davon übrig ist.

Die Cochrane Collaboration — ein internationales Netzwerk, das alle Studien zu einer Frage sammelt und gemeinsam auswertet — hat 2020 zusammengetragen, was zu Resveratrol bei Typ-2-Diabetes vorlag. Gefunden wurden drei Studien mit insgesamt 50 Teilnehmenden, Dauer vier bis fünf Wochen. Die Ergebnisse waren durchweg neutral: kein Effekt auf Langzeitzucker, Nüchternblutzucker oder Insulinresistenz, also die nachlassende Wirkung des körpereigenen Insulins. Keine der Studien untersuchte, was Patienten tatsächlich betrifft — Sterblichkeit, Folgeerkrankungen, Lebensqualität [2].

Das Fazit der Autoren ist bemerkenswert zurückhaltend formuliert: Die Forschung reiche nicht aus, um Wirksamkeit oder Sicherheit zu beurteilen. Nicht „wirkt nicht“ — sondern: Es gibt zu wenig, um überhaupt etwas zu sagen. Bei einer Substanz, die seit zwanzig Jahren als Longevity-Molekül vermarktet wird, ist das die eigentliche Nachricht.

Was heißt das für die Kaufentscheidung?

Ordnet man die drei nach Belegqualität, ergibt sich eine klare Reihenfolge — und sie hat wenig mit der Lautstärke der Bewerbung zu tun:

  • Kollagen: belegt für Hautfeuchtigkeit und Ebenmäßigkeit, moderat für Falten. Gut verträglich. Kein Longevity-Effekt gezeigt.
  • NMN: biologisch plausibel, in Humanstudien bisher ohne nachweisbaren Nutzen auf die untersuchten Werte.
  • Resveratrol: zu wenig Daten für eine Bewertung — in beide Richtungen.

Und ein Hinweis, der für alle Ergänzungsmittel gilt: Mehr ist nicht besser. Eine Cochrane-Übersicht über 78 Studien mit 296.707 Teilnehmenden fand für hochdosierte Antioxidantien keinen vorbeugenden Nutzen — Beta-Carotin und Vitamin E erhöhten die Sterblichkeit sogar. Mehr dazu unter Zellschutz & Antioxidantien und Longevity Supplements. Welche Werte sich vor einer Ergänzung messen lassen, steht unter Ernährung & Mikronährstoffe.

Drei Fragen vor dem Kauf

  1. Gibt es Humanstudien — oder beruht die Werbung auf Zellkulturen und Mäusen? Der Sprung von der Zelle zum Menschen misslingt regelmäßig.
  2. Wie viele Menschen, wie lange? Drei Studien mit 50 Teilnehmenden über vier Wochen tragen keine Aussage über Jahrzehnte.
  3. Wurde gemessen, was mich interessiert? Ein veränderter Laborwert ist kein längeres Leben und keine bessere Gesundheit.

Häufige Fragen

Bringt Kollagen etwas für die Haut?

Dafür gibt es die beste Datenlage der drei Substanzen. Eine Auswertung von 19 kontrollierten Studien mit 1.341 Teilnehmenden fand für oral eingenommene Peptide deutliche Verbesserungen bei Hautfeuchtigkeit und Ebenmäßigkeit und einen moderaten Effekt auf die Faltentiefe. Bei Elastizität und Hautdichte waren die Ergebnisse uneinheitlich. Es geht dabei um das Hautbild — nicht um Langlebigkeit.

Wirkt NMN wirklich?

Die Begründung ist plausibel: NAD+ sinkt mit dem Alter, NMN ist eine Vorstufe. Geprüft an Menschen fanden acht kontrollierte Studien mit zusammen 342 Teilnehmenden allerdings keinen signifikanten Nutzen auf Nüchternblutzucker, Insulin, Langzeitzucker, Insulinresistenz oder Blutfette. Die Studien waren klein und kurz — die beworbenen Wirkungen sind damit nicht widerlegt, aber eben auch nicht gezeigt.

Was ist aus dem Resveratrol-Hype geworden?

Er hat sich beim Menschen nicht bestätigen lassen. Eine Cochrane-Übersicht zu Resveratrol bei Typ-2-Diabetes fand nur drei Studien mit insgesamt 50 Teilnehmenden über vier bis fünf Wochen, alle mit neutralem Ergebnis. Die Autoren kamen zu dem Schluss, die Forschung reiche nicht aus, um Wirksamkeit oder Sicherheit zu beurteilen.

Welche der drei würde sich am ehesten lohnen?

Nach Belegqualität sortiert steht Kollagen vorn, allerdings mit einem klar begrenzten Anspruch: sichtbares Hautbild, nicht Lebenszeit. NMN und Resveratrol sind biologisch interessant, aber am Menschen bislang ohne belastbaren Nachweis. Wer ergänzen möchte, fängt sinnvoller bei den Grundlagen an — Vitamin D, Omega-3, Magnesium — und bei einem gemessenen Mangel statt bei einem Versprechen.

Quellen

  1. Wong C. et al.: Effects of Nicotinamide Mononucleotide on Glucose and Lipid Metabolism in Adults: A Systematic Review and Meta-analysis of Randomised Controlled Trials. Current Diabetes Reports 25(1), 2024 — acht Studien, 342 Teilnehmende, 250–2.000 mg/Tag über 14 Tage bis 12 Wochen; kein signifikanter Nutzen. PubMed
  2. Nyambuya T. et al. / Cochrane: Resveratrol for adults with type 2 diabetes mellitus. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2020, CD011919 — drei Studien mit zusammen 50 Teilnehmenden, vier bis fünf Wochen; Forschung reicht nicht aus, um Wirksamkeit oder Sicherheit zu beurteilen. PubMed
  3. Nukaly H.Y. et al.: Oral and topical peptides for skin aging: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Frontiers in Medicine 13, 2026 — 19 kontrollierte Studien, 1.341 Teilnehmende; Verbesserung bei Feuchtigkeit und Ebenmäßigkeit, moderater Effekt auf Falten. PubMed

Zuletzt geprüft am 30. August 2026

Über den Autor

Sebastian Korbmann, Gründer von Elixior, Porträt vor grünem Hintergrund

Sebastian Korbmann
Gründer von Elixior

Ich schreibe die Beiträge auf elixior.de und recherchiere die Studien, auf die sie sich stützen. Ich bin weder Arzt noch medizinische Fachkraft — was hier steht, ist belegt und mit Quellen versehen, ersetzt aber keine ärztliche Beratung. Wenn dir ein sachlicher Fehler auffällt, schreib mir gerne.