Startseite » Longevity » Longevity ab 40: Die fünf Werte, auf die es jetzt ankommt

Longevity ab 40: Die fünf Werte, auf die es jetzt ankommt

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab etwa 40 werden die Veränderungen messbar — und genau das ist die Chance: Man kann anfangen, bevor etwas auffällt.
  • Die Ausdauerleistung sinkt im Mittel um 4,0 Milliliter Sauerstoff je Kilogramm Körpergewicht und Minute pro Lebensjahrzehnt — rund 13,5 Prozent [1]. Das ist der am besten belegte Einzelwert des Alterns — und er lässt sich beeinflussen.
  • Was hilft, ist unspektakulär und billig. Was am lautesten beworben wird — Tests, Kapseln, Geräte — steht auf keiner der fünf Positionen.

4,0

ml/kg/min verliert die maximale Sauerstoffaufnahme im Mittel pro Lebensjahrzehnt — rund 13,5 Prozent.

Kaminsky 2022 · Mayo Clinic Proceedings · FRIEND-Register, 22.379 Tests

Vierzig ist keine biologische Schwelle. Es passiert an diesem Geburtstag nichts, was nicht auch mit 38 oder 43 passiert. Was sich ändert, ist die Messbarkeit: Ab ungefähr diesem Alter treten Veränderungen aus dem Rauschen hervor, die vorher zu klein waren, um sie von der Tagesform zu unterscheiden.

Ein Beispiel aus der Trainingslehre: Die Formel „220 minus Alter“ für den Maximalpuls und die belastbarere Gleichung 208 minus 0,7 mal Alter liefern bei genau 40 Jahren dasselbe Ergebnis. Davor überschätzt die alte Regel, danach unterschätzt sie — mit 70 um rund neun Schläge. Ab 40 fängt der Fehler an, sich aufzubauen.

Genau das gilt für die meisten Alterskurven. Und daraus folgt der eigentliche Punkt dieses Artikels: Ab hier lohnt es sich zu messen, statt zu schätzen. Fünf Größen sind es wert — nach Belegqualität geordnet.

1. Ausdauerleistung — der stärkste Einzelwert

In einer Auswertung von 122.007 Belastungstests trug eine unterdurchschnittliche Ausdauerleistung dasselbe Sterberisiko wie Rauchen — beide mit einem um 41 Prozent erhöhten Risiko (Hazard Ratio 1,41) — mehr als eine bekannte koronare Herzkrankheit, also eine Verengung der Herzkranzgefäße, mit 1,29. Eine Obergrenze des Nutzens fand die Untersuchung nicht.

Der Wert sinkt ohne Gegensteuern um rund 4,0 Milliliter je Kilogramm Körpergewicht und Minute pro Jahrzehnt [1]. Training verschiebt diese Kurve nach oben — wer sie über Jahre nur hält, hat bereits gewonnen. Wie das geht und was der Wert bedeutet: VO₂max und Zone-2-Training.

2. Muskelkraft — die Reserve für später

In der PURE-Studie, einer internationalen Langzeitbeobachtung mit 139.691 Menschen, war die Griffkraft ein stärkerer Vorhersagewert für die Sterblichkeit als der systolische Blutdruck, den oberen der beiden Blutdruckwerte [2]. Muskulatur ist die Reserve, die im Alter über Selbstständigkeit entscheidet — und sie baut sich lange vor den Grenzwerten ab, ab denen von Sarkopenie gesprochen wird — dem altersbedingten Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft.

Die gute Nachricht ist die Dosis: In einer Auswertung von 16 Kohortenstudien — Langzeitbeobachtungen großer Bevölkerungsgruppen — lag die größte Risikominderung bereits bei rund 30 bis 60 Minuten muskelstärkender Aktivität pro Woche [4]. Mehr Umfang brachte keinen zusätzlichen Schutz. Siehe Krafttraining 2× pro Woche und Griffkraft messen.

3. Blutdruck und Blutzucker — die billigsten Messwerte, die es gibt

Beide werden beim Hausarzt nebenbei erhoben, beide haben klare Grenzwerte, und beide reagieren auf dieselben Maßnahmen wie die Punkte eins und zwei. Es gibt keinen teuren Test, der auch nur annähernd so viel Aussage pro Euro liefert.

Wer darauf aufbauen will: Ein kleiner Satz weiterer Werte lohnt sich — Vitamin D, Ferritin (der Eisenspeicherwert), Homocystein (ein Eiweißbaustein, der bei Mangel an B-Vitaminen ansteigt) und der Omega-3-Index (der Anteil der Omega-3-Fettsäuren in den roten Blutkörperchen). Mehr dazu unter Ernährung & Mikronährstoffe.

4. Schlafdauer — unterschätzt, weil kostenlos

Eine Woche mit 5,7 statt 8,5 Stunden Schlaf veränderte in einer kontrollierten Studie die Aktivität von 711 Genen, darunter viele für Immunfunktion und Stressantwort [5]. Eine Woche.

Eine für alle gültige Stundenzahl gibt es nicht — belastbar ist vor allem, was zu wenig ist. Der wirksamste Hebel im Alltag kostet nichts: morgens Tageslicht, abends Dunkelheit. Siehe Schlaf & Erholung.

5. Proteinzufuhr — der Bedarf steigt, die Zufuhr meist nicht

Der Proteinbedarf nimmt mit dem Alter zu, weil der Körper Eiweiß schlechter verwertet und gleichzeitig Muskelmasse verteidigt werden muss. Die Fachgruppe PROT-AGE empfiehlt für Menschen über 65 mindestens 1,0 bis 1,2 g pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, bei Erkrankung oder viel Bewegung 1,2 bis 1,5 [6] — deutlich mehr als die verbreiteten 0,8 g.

Mit 40 ist das keine akute Frage, aber die Gewohnheit entsteht jetzt. Wer erst mit 65 anfängt, umzustellen, hat zwei Jahrzehnte Muskelaufbau verpasst.

Was sich an einem Nachmittag erheben lässt

  • Blutdruck und Nüchternblutzucker — beim Hausarzt, im Rahmen der üblichen Vorsorge.
  • Aufstehtest: fünfmal vom Stuhl aufstehen, Arme verschränkt. Über 15 Sekunden gilt als Warnzeichen.
  • Griffkraft — mit einem Handdynamometer — einem Handkraftmesser — ab etwa dreißig Euro, drei Versuche pro Hand.
  • Ausdauerleistung — gemessen nur per Spiroergometrie, einem Belastungstest mit Atemmaske; die Schätzung einer Sportuhr taugt für den Verlauf, nicht als Absolutwert.

Was gehört nicht auf die Liste?

Drei Dinge, die im Longevity-Umfeld ab 40 besonders offensiv beworben werden und die auf keiner der fünf Positionen stehen:

  • Tests des biologischen Alters. Die Wissenschaft dahinter ist ernst zu nehmen, die Messgenauigkeit für den Einzelnen nicht: Zwei Messungen derselben Probe wichen bei sechs verbreiteten Uhren um bis zu neun Jahre ab. Ausführlich hier.
  • Nahrungsergänzung als Einstieg. Sinnvoll ist sie beim gemessenen Mangel — nicht als Ersatz für die fünf Punkte oben. Was belegt ist und was nicht: Kollagen, NMN und Resveratrol im Faktencheck.
  • Entgiftungskuren. Leber, Nieren, Darm und Lymphsystem arbeiten ohnehin; eine Kur ersetzt sie nicht. Siehe Entgiftung & Detox.

Wer den breiteren Blick sucht — auch auf soziale Bindung, Stress und Sinnerleben, die sich nicht so gut messen lassen — findet ihn unter Longevity Lifestyle. Dieser Artikel hier beschränkt sich bewusst auf das, was sich beziffern lässt.

Häufige Fragen

Warum gerade ab 40?

Weil die Veränderungen ab etwa diesem Alter messbar aus dem Rauschen treten. Ein anschauliches Beispiel: Die alte Pulsformel 220 minus Alter und die belastbarere Gleichung 208 minus 0,7 mal Alter liefern bei genau 40 Jahren dasselbe Ergebnis — davor überschätzt die alte Regel, danach unterschätzt sie zunehmend. Ähnlich verhalten sich die meisten Alterskurven. Eine biologische Schwelle ist 40 nicht.

Womit sollte man anfangen?

Mit Ausdauer und Kraft. Beide haben die beste Datenlage, beide wirken auf mehrere Systeme gleichzeitig, und beide kosten nichts außer Zeit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche plus muskelstärkende Übungen an mindestens zwei Tagen. In Langzeitbeobachtungen lag die größte Risikominderung beim Krafttraining schon bei 30 bis 60 Minuten pro Woche.

Lohnt sich ein Longevity-Test ab 40?

Blutdruck, Blutzucker und ein kleiner Satz Blutwerte lohnen sich — sie sind standardisiert, günstig und beeinflussbar. Tests des biologischen Alters sind es weniger: Zwei Messungen derselben Probe wichen bei sechs verbreiteten epigenetischen Uhren — Tests, die chemische Markierungen am Erbgut auswerten — um bis zu neun Jahre voneinander ab.

Wie viel Protein braucht man mit 40?

Mit 40 ist der Bedarf noch nicht erhöht wie im höheren Alter. Ab 65 werden mindestens 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag empfohlen, bei Erkrankung oder viel Bewegung 1,2 bis 1,5. Wer mit 40 beginnt, auf ausreichend Protein zu achten, baut die Gewohnheit auf, bevor sie gebraucht wird.

Quellen

  1. Kaminsky L.A. et al.: Updated Reference Standards for Cardiorespiratory Fitness Measured with Cardiopulmonary Exercise Testing (FRIEND). Mayo Clinic Proceedings 97(2), 2022 — 22.379 Tests; Rückgang 4,0 ml/kg/min bzw. 13,5 % pro Lebensjahrzehnt. PubMed
  2. Leong D.P. et al.: Prognostic value of grip strength: findings from the PURE study. The Lancet 386(9990), 2015 — 139.691 Teilnehmende. PubMed
  3. Bull F.C. et al.: World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. British Journal of Sports Medicine 54(24), 2020. PubMed
  4. Momma H. et al.: Muscle-strengthening activities are associated with lower risk and mortality in major non-communicable diseases. British Journal of Sports Medicine 56(13), 2022 — 16 Kohortenstudien; Maximum der Risikoreduktion bei 30–60 min/Woche. PubMed
  5. Möller-Levet C.S. et al.: Effects of insufficient sleep on circadian rhythmicity and expression amplitude of the human blood transcriptome. PNAS 110(12), 2013 — 711 Gene verändert nach einer Woche mit 5,7 statt 8,5 Stunden Schlaf. PubMed
  6. Bauer J. et al.: Evidence-based recommendations for optimal dietary protein intake in older people (PROT-AGE). JAMDA 14(8), 2013. PubMed

Zuletzt geprüft am 30. August 2026

Über den Autor

Sebastian Korbmann, Gründer von Elixior, Porträt vor grünem Hintergrund

Sebastian Korbmann
Gründer von Elixior

Ich schreibe die Beiträge auf elixior.de und recherchiere die Studien, auf die sie sich stützen. Ich bin weder Arzt noch medizinische Fachkraft — was hier steht, ist belegt und mit Quellen versehen, ersetzt aber keine ärztliche Beratung. Wenn dir ein sachlicher Fehler auffällt, schreib mir gerne.